kein
Deutsch · Thesaurus
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kein
- [kaɪ̯n]
Rhymes with aɪ̯n
Where it comes from
Durch Kontamination von mittelhochdeutsch nehein „nicht ein“ und dehein „irgendein“ (aber auch „nicht ein“).
nehein: Ab dem 8. Jahrhundert althochdeutsch nohein, nohhein belegt; meist nihein, nihhein (ab dem 9. Jahrhundert belegt); später auch nehein, nehhein (um die Jahrtausendwende); in der Bedeutung „nicht ein“. Diese aus dem Numerale ein und einer gemeingermanischen Konjunktion nih „und nicht“, „auch nicht“; nur gotisch bezeugt, althochdeutsch nur noh belegt (daraus heute die Konjunktion noch). Dies aus der Negationspartikel (gotisch ni, althochdeutsch ne) und enklitischem -uh, -h „und“, womit es auf gleichbedeutend indogermanisch *ne-ku̯e zurückzuführen ist und lateinisch neque genau entspricht. Mittelhochdeutsch überwiegt zunächst nehein. Durch Interpretation von ne als Negationspartikel verschiebt sich die Silbengrenze und es entstehen nechein, nekein (neh·ein → ne·chein). Mit Austausch von ne durch die proklitische Form der Negationspartikel entstehen enhein, enkein. Frühneuhochdeutsch erlischt nichein im 15. Jahrhundert, enkein im 16. Jahrhundert. Mundartlich halten sich Reste älterer Formen vereinzelt deutlich länger. So heute noch schweizerisch nekein.
dehein: Ab dem 9. Jahrhundert sind althochdeutsch thehein/thehhein, thohein/thohhein, seltener thihein/thihhein belegt; in der Bedeutung „irgendein“. Diese ebenfalls mit dem Numerale ein; das erste Glied aus dem indogermanischen Pronominalstamm *te-, *to-, wohl im Lokativ oder Genitiv (siehe auch der), und ebenfalls mit enklitischem -h, eigentlich „und“ (siehe oben), hier aber wohl nur verstärkend. Im Übergang zum Mittelhochdeutschen wird die Markierung der Negation variabler. So nimmt dehein (dechein, dekein) zunehmend selbst die Bedeutung „nicht ein“ neben „irgendein“ an und beginnt als redundant empfundenes nehein zu verdrängen bzw. mit diesem zusammenzufallen. Frühneuhochdeutsch, so es noch vorkommt, überwiegen die Formen dehein und gekürztes dein, dekein ist selten. Ab dem 14. Jahrhundert fast ausschließlich auf den oberdeutschen Raum begrenzt, zu Beginn des 16. Jahrhunderts dann auslaufend. Die gegensätzlichen Bedeutungen bestehen über diese Zeit nebeneinander fort, bei der Bedeutung „nicht ein“ wird die Negation aber häufig auch an anderen Stellen im Satz markiert. Auch hier können sich mundartlich einzelne Formen deutlich länger halten. So heute noch schweizerisch dhein.
kein: Mit fortschreitendem Zusammenfall der Bedeutungen von nehein und dehein kommt es zu Beginn des Mittelhochdeutschen zur Kontamination der Formen. Der vordere Teil wird zunehmend als bedeutungslos empfunden und schwindet. Über die spärlich belegte Zwischenstufe ichein entsteht in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts zunächst chein, gegen Ende des 12. Jahrhunderts wird kein üblich und verdrängt letztlich nehein und dehein. Daneben besteht frühneuhochdeutsch ichkein bis ins 16. Jahrhundert. Beginnend im 15. Jahrhundert schwindet die Bedeutung „irgendein“ und erlischt im 16. Jahrhundert völlig. Dies im Zuge einer allgemeinen grammatikalischen Änderung der Verneinung im Deutschen. Negation wurde zunehmend nur noch an einer Stelle im Satz markiert, die vorher übliche Mehrfachmarkierung begründet fortan einen semantischen Unterschied.
In English
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