Razzia

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Razzia

  • [ˈʁat͡si̯a]

Where it comes from

Die Wortgeschichte beginnt mit dem arabischen Wort غَزْو (DMG: ġazw)^(→ar) ‚(zumeist im geringeren Umfang durchgeführter) Einfall, Überfall; Kriegszug; Beutezug, Raubzug‘ und dessen Nomen unitatis غَزْوَة (DMG: ġazwa)^(→ar) ‚Beutezug, Raubzug; Kriegszug‘. Ursprünglich bezeichneten diese eine bei den arabischen Beduinen übliche Sitte, die schon in vorislamischer Zeit bezeugt ist und gebietsweise bis in die jüngste Zeit fortbesteht: Zur Wahrung der Existenzgrundlage des eigenen Stammes, die durch das Verenden der Kamele nach winterlichen Dürreperioden oder dem Auftreten einer Viehseuche immer wieder bedroht war, wurden kurze Überfälle unternommen, um von einer anderen Sippe oder einem anderen Stamm Kamele, Nahrungsmittel und anderes zu erbeuten. Solche غَزْوَاﺕ (DMG: ġazwāt)^(→ar) – Plural von غَزْوَة (DMG: ġazwa)^(→ar) – auf benachbarte Sippen und Stämme wurden, soweit sie nicht nachts unternommen wurden und nach bestimmten Regeln abliefen, nicht als ehrenrührig angesehen. Den Moralvorstellungen der Wüste zufolge wurden sie nahezu als sportliche, einem Wettkampf gleiche Unternehmungen betrachtet, die unter möglichster Vermeidung von Blutvergießen durchhaus als ehrenhaft und rühmenswert galten und demgemäß in der arabischen Literatur verherrlicht wurden.

In der von Ibn Isḥāq niedergeschriebenen Biographie des Propheten Muḥammad werden ebenfalls dessen Feldzüge auf der Arabischen Halbinsel als غَزْوَة (DMG: ġazwa)^(→ar) bezeichnet, später nennt man so auch die Expeditionen oder Beutezüge gegen Ungläubige an den Grenzregionen des islamischen Reiches. Zum Beispiel scheint die Schlacht von Tours und Poitiers im Jahre 732, die oft als Verteidigung des Abendlandes dargestellt wird, aus muslimischer Sicht eher den Charakter einer solchen غَزْوَة (DMG: ġazwa)^(→ar) gehabt zu haben.

Derjenige, der an einem غَزْو (DMG: ġazw)^(→ar) beziehungsweise einer غَزْوَة (DMG: ġazwa)^(→ar) teilnahm, in erster Linie jedoch derjenige, der sich dabei verdient gemacht hatte, wurde arabisch غَازِيّ (DMG: ġāzī)^(→ar) genannt. Bereits ab dem 9. Jahrhundert sind in den persischgeprägten östlichen Provinzen des islamischen Reiches und in den Grenzregionen zum Byzantinischen Reich Gruppen bewaffneter Krieger bezeugt, die Überfälle auf Karawanen und Ortschaften ausübten oder lokalen Herrschern als Söldner dienten, und die ebenfalls غِزاﺕ (DMG: ġuzāt)^(→ar) – Plural von غَازِيّ (DMG: ġāzī)^(→ar) – genannt wurden. Türkischstämmige غِزاﺕ (DMG: ġuzāt)^(→ar), die aus dem Osten einwanderten, waren im 11. und 12. Jahrhundert maßgebend an der Eroberung Anatoliens beteiligt. Später entwickelte sich die Bezeichnung zu einem Ehrentitel und dessen Bedeutung beschränkte sich nun nur noch ausschließlich auf denjenigen, der sich bei solchen Unternehmungen verdient gemacht hatte. In diesem enger gefassten Sinne wurde die Bezeichnung dann Teil des Titels gewisser muslimischer Prinzen, wie zum Beispiel der anatolischen Emire. Wohl deshalb war osmanisch-türkisch ﻏﺎزی (DMG: ġāzī)^(→ ota) (türkisch gazī ^(→ tr)) von Beginn an ein Ehrentitel, den die osmanischen Herrscher trugen (zuletzt übrigens auch Gazi Mustafa Kemal, später Atatürk genannt, der als Begründer der heutigen türkischen Republik gilt).

In der von Luis del Mármol Carvajal niedergeschriebenen »Descripcion general de Affrica« taucht 1573 spanisch Gazia ^(→ es) auf. Mittels der Übersetzung dieses spanischen Werkes durch Nicolas Perrot gelangte das Wort 1667 in der Form Gazie ^(→ fr) ins Französische; in den Belegen werden beide Wortformen nicht ganz korrekt als ‚Krieg gegen die Christen‘ erklärt. Das spanische sowie das daraus entlehnte französische Wort beruhen auf einer Dialektform غَازِيَة (DMG: ġāzia, ġāziya, ġāzya)^(→ar) aus dem maghrebinischen Arabisch des nördlichen Afrikas, die dem hochsprachlich arabischen غَزْوَة (DMG: ġazwa)^(→ar) entspricht. Ab 1830, bei der Eroberung Algeriens, lernten die Franzosen die Raubzüge der Wüstenstämme dann genauer kennen und gaben sie mit razia ^(→ fr) (1836) und razzia ^(→ fr) (

noun Rhazzia · Ghazzia · Razzia · Razzien · Razzias

  1. outdated militärischer Streifzug (auf feindlichem Gebiet), begrenzte offensive Militäroperation; unerwarteter Angriff; räuberische Unternehmung „80 Gefangene, 2000 Stück Vieh und eine reiche Beute an Kleidungsstücken und Geschmeiden, waren die materiellen Erfolge dieses Tages — der moralische Effect, den eine so wohlausgeführte Razzia bei den Arabern hervorbringen mußte, die nur allzu gewohnt waren uns immer der Nase nach marschiren zu sehe
  2. figurative zumeist von der Polizei, den Ordnungsbehörden oder von anderen Sicherheitskräften (im großen Stil geplante) unangekündigte, lokal begrenzte Fahndungsaktion nach verdächtigen Personen Bei der Razzia in den Lagerräumen einer Spedition wurden 10.000 illegale Kopien von Musik-CDs gefunden.

    Similar: Fischzug, Netzfang

In English

  • crackdown increased enforcement
  • raid attack for the purpose of making arrests, seizing property, or plundering
  • shakedown a thorough search

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"Razzia." Wiktionary, via Micwyn, micwyn.com/word/de/razzia. Accessed 6 Nov. 2026.

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Razzia. (n.d.). In Wiktionary, via Micwyn. Retrieved November 6, 2026, from https://micwyn.com/word/de/razzia

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"Razzia." Wiktionary, via Micwyn. Accessed November 6, 2026. https://micwyn.com/word/de/razzia.

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