schwul
Deutsch · Thesaurus
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schwul
- [ʃvuːl]
Rhymes with uːl
Where it comes from
Im 17. Jahrhundert wurde das niederdeutsche schwul für „drückend heiß“ ins Hochdeutsche übernommen und im 18. Jahrhundert, wahrscheinlich vom Antonyms kühl beeinflusst, in schwül verändert. Die daneben weiterhin bestehende unumgelautete Form wird im 19. Jahrhundert in der Berliner Mundart und im Rotwelschen in Ahnlehnung an das seit 1772 belegte warm auf homosexuell übertragen, vergleiche warmer Bruder. Den frühesten Beleg für schwul als „homosexuell“ gibt es nach Paul Derks in einer 1847 geschriebenen kriminologischen Abhandlung, „was subkulturellen Sprachgebrauch vermuten lässt“. Zur Frage, warum die Homosexuellen mit Wärme (Schwüle) in Verbindung gebracht wurden, gibt es verschiedene Vermutungen:
Skinner erzählt in einem Aufsatz, dass der Sexualforscher Magnus Hirschfeld die These aufstellte, dass die Haut von Homosexuellen wärmer sei als die von Heterosexuellen. In seiner ein Jahr später veröffentlichten Dissertation führt er es nicht an.
Adolf J. Storfer spekuliert 1937 auf Grund des Ausdrucks „warme Brüder“, dass „Warme“ den eigenen Geschlechtsgenossen gegenüber nicht gleichgültig („kühl“) sind, sondern also mit Männern warm werden. Er geht (wie andere) davon aus, dass es zuerst in Berlin aufgetreten sein dürfte. Storfer wird von Skinner in seiner Doktorarbeit zitiert.
Warm bedeutet aber auch „nicht heiß und nicht kalt“; Schwule könnten also (den Frauen gegenüber?) gleichgültig sein, erzählt Skinner in seinem Aufsatz. In seiner Dissertation ist dies nicht aufgenommen.
Nach einer weiteren These, von der Skinner in seinem Aufsatz als unbelegbar berichtet, bezieht sich auf die angeblich recht häufigen Feuertod Schwuler im Mittelalter, die Hitze der Verbrennung. Entsprechend könnte der amerikanische Ausdruck faggot ^(→ en) vom Reisigbündel stammen, mit dem das Feuer gelegt wurde. In der Dissertation wird es nicht erwähnt. Die Theorie scheint vom amerikanischen faggot auf das deutsche schwul übertragen worden zu sein. Faggot in der Bedeutung „Homosexueller“ taucht schriftlich erstmals 1914 in einem Wörterbuch über Gaunersprache aus Portland (Oregon) auf. Die dazugehörige Kurzform fag taucht erst 1921 eindeutig auf. Die Verbindung dürfte in einem früheren verächtlichen Ausdruck für „Frau“ (1591) liegen, speziell eine alte Frau, die unbeholfen ein Bündel Unterzündholz trägt. Möglicherweise hat auch der jiddische Ausdruck faygele für „Homosexueller“, wörtlich „kleiner Vogel“, dazu beigetragen. Ebenso möglich ist der britische, in öffentlichen Schulen umgangssprachlich verwendete Ausdruck fag für einen „Junior“, der Aufgaben für den „Senior“ übernimmt (1785), mit einer Anspielung auf „Lustknabe, Buhlknabe“. Die Herleitung vom Scheiterhaufen ist eine urbane Legende. 1533 wird in Großbritannien das Erhängen als Strafe für homosexuelle Handlungen vorgesehen und Exekutionen von Homosexuellen sind schon lange aus der Mode, bis das Wort faggot erstmals auftaucht.
Heinz Küpper (1984) verbindet mit schwul „beklemmend heiß“ und erklärt die einschlägige Bedeutung wohl als eine „Anspielung auf die Atmosphäre in einschlägigen Lokalen.“ Er wird von Skinner als „ein Lexikograph“ nebenbei erwähnt.
Nach Oswald Wiener (1970) ist in der Prostituiertensprache Wiens um die Jahrhundertwende der Mundartausdruck schwui zu finden. Nach ihm ergeben sich durch den Ausdruck gschwulsddich sei („geschwulstig sein“) zu schwul in der Bedeutung „geschwollen“ Hinweise auf eine mögliche andere Etymologie, vor allem in Bezug auf die Redeweise. Er wird von Skinner als wienerische und weitere Betrachtungsweise erwähnt. In den 1970er Jahren war es in Wien aber ungebräuchlich und man sprach von „warm“.
Nach Hans Georg-Wiedemann (1982) wurde der Begriff von „schwelen“ und „schwül“ hergeleitet, und wurde „unter dem Diktat der Rollenfixierung (männlich = hart, kühl; weiblich = weich, warm)“ des 19. Jahrhundert für homosexuell gebräuchlich.
Die Geschichte des Wortes schwul ist überaus wechselvoll. Schon die erste Erwähnung 1847 lässt auf subkulturellen Sprachgebrauch schl
adjective schwul · schwuler · am schwulsten · schwule · schwules
-
als Mann homosexuelle Neigungen besitzend
Frank und Tom sind schwul.
Similar: warm · Opposite: bisexuell, heterosexuell, lesbisch
- für (männliche) Homosexuelle charakteristisch, zu Homosexuellen gehörend Kasimir konnte seine schwulen Empfindungen nicht länger ignorieren.
- für (insbesondere männliche) Homosexuelle gedacht, bestimmt Unser Verlag hat sich einen Namen mit schwulen Zeitschriften gemacht.
- lesbisch „Die Gruppe soll in der Lage sein, ihre Mitglieder von ihrer gesellschaftlich bedingten Vereinsamung und den daraus resultierenden Ängsten zu lösen; auch als einzelne sollen sich schwule Frauen nicht mehr stigmatisiert fühlen von einer Umwelt, die ihre Rituale des Zusammenlebens für Natur und Norm h
- uncool, auf zum Beispiel nervende oder langweilende Art unpassend „Ich komme in so eine schwule Massname rein, Arbeitstraining heißt das.“
In English
- homosexual sexually attracted solely or primarily to the same sex
- queer slang: of sexual or gender minorities
- gay homosexual — see also homosexual, lesbian
Talk about this word "schwul." Wiktionary, via Micwyn, micwyn.com/word/de/schwul. Accessed 6 Nov. 2026. schwul. (n.d.). In Wiktionary, via Micwyn. Retrieved November 6, 2026, from https://micwyn.com/word/de/schwul "schwul." Wiktionary, via Micwyn. Accessed November 6, 2026. https://micwyn.com/word/de/schwul.Cite this
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